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Das wüste Land - Das Spiel der Karten

Sneak-Preview: Das wüste Land - Eine hochmütige, irre Zauberin legt die Karten eines uralten, machtvollen Kartenspiels und setzt damit Ereignisse in Gang, die im gesamten Universum Wellen schlagen. Auch Sanna ist vom drohenden Unheil betroffen, als die dunklen Mächte des Kartenspiels ihr Leben mit dem Schicksal der wüsten Lande verstricken. Und mit dem anderer Menschen.

22 Karten, die Ereignisse von unglaublichen Ausmaßen in Bewegung setzen und die Schicksale der unterschiedlichsten Menschen untrennbar miteinander verknüpfen.
Hier ein erster Blick in das Buch, das voraussichtlich im kommenden Frühjahr erscheinen wird.

Kapitel 4 - Varg

Iri'fahdeja atmete heftig und stoßweise ein und aus. Ihre Macht floss in die Karten und sie spürte eine leichte Erschöpfung. Oder war es nicht ehr so, dass die Karten ihre Macht aus ihr heraussaugten? Nein. Aber nein. Wie absurd. Wie dumm. Selbstverständlich konnte das nicht sein. Nicht mit ihr. Der größten Hexe aller Zeiten. Der Gottgleichen. Der Göttlichen. Sie atmete tief und gleichmäßig und beruhigte sich wieder. Selbstverständlich hatte sie die volle Kontrolle über die Karten. Und drei Karten hatte sie gelegt. Um ihren Zauber zu wirken. Und ihre Welt in die Vollkommenheit zu führen. Das Muster entfaltete sich. Und zeigte seine Wirkung. Sie konnte spüren, wie die dunkle Macht ihre Fühler ausstreckte. Und gab es etwas Perfekteres als vollkommene Schwärze? Verzückt blickte sie auf den Fächer aus verdeckten Karten. Ja. Die nächste Karte musste gezogen werden, kein Zweifel. Ihre Nasenflügel blähten sich, als sie rasch nach einer Karte griff und diese aufgedeckt neben die anderen drei legte. So schnell war sie, dass das Kind nicht einmal die Zeit hatte, zu seufzen, geschweige denn zu schreien, bevor es auf dem Boden aufschlug. Doch sobald sie einen Blick auf die Karte geworfen hatte, war ihr klar, dass sie soeben einen Fehler begangen hatte. Der Eremit. Und der Eremit war diesmal weiß. Reinweiß. Ohne Makel. Ohne einen Hauch von Grau. Iri'fahdeja schluckte trocken und spürte zum ersten Mal seit Jahrhunderten so etwas wie Angst. Ein gewaltiger, blendender Blitz schlug in ihren Palast ein. Marmor zerbarst. Menschen schrien. Der Hofstaat rannte in blinder Panik davon. Ein heftiger Wolkenbruch setzte ein. Ein Sturm kam auf. 

Ein Engel glitt auf seinen substanzlosen Flügeln durch die vollkommene Leere des Raums. Sanft berührten seine Fingerspitzen eine Grauzone, die in strahlendem Weiss erblühte. Schliesslich durfte das Schicksal doch lenkend eingreifen. Oder etwa nicht?

Varg schliff seine Axt. Mit sparsamen, geübten Bewegungen zog er den Schleifstein über die glänzende Klinge. Kein Rost verunstaltete das Axtblatt, das in hellem Glanz erstrahlte. Ganz im Gegensatz zum Leder umwickelten Griff, der dunkel war von Blut und Schweiß. Blut. So viel Leiden. Und Schweiß. So viel Mühen. Ssit, ssit. Der Schleifstein gab ein leises, vertrautes Sirren von sich, als er über die Klinge glitt. Die Bewegung hatte etwas Beruhigendes an sich, das Geräusch etwas Tröstliches. Varg starrte auf seine Hand, die den Schleifstein führte, ohne sie wirklich zu sehen. Sein Körper kannte die Bewegung im Schlaf und benötigte keine Aufsicht bei der Durchführung dieser Aufgabe.
Als die Klinge scharf und bereit war, legte er die Axt zur Seite und nahm sich das Lederzeug vor. Seine Kleidung war schmutzig und verschwitzt. Zu lange schon war er Ansiedlungen fern geblieben und ging anderen Nordländern aus dem Weg. Und natürlich war es zu kalt, um die Kleidung auszuziehen, geschweige denn zu waschen. Na und, dann stank er eben. Ihn selbst störte es kaum und außer ihm war ja niemand da. Aber das Lederzeug und die Waffen, das war etwas anderes. Leder musste geölt werden, damit es geschmeidig blieb. Besonders in der Kälte neigte es dazu, spröde zu werden. Und kalt war es. Kalt wurde es. Immer kälter. Wie seine Träume ihm offenbart hatten. Bald schon würden die Nordlande unter einer weichen weißen Schneedecke verschwinden und die Flüsse in eisiger Bewegungslosigkeit erstarren. Er fühlte es. Er spürte es bis in die Knochen. Immer wieder kehrte der Traum zurück, immer wieder, eine endlose Warnung, eine ständige Mahnung, ein Hinweis, eine Vorankündigung, ein Zeichen. Oder etwa nicht? Wusch, wusch. Der Lappen fuhr auf und nieder, rieb sanft über das Leder, schmeichelnd, streichelnd, liebkosend.
Ja der Traum. Der Traum war von ungeheuerlicher Eindringlichkeit. Von einer Intensität, die dem echten Leben abging. Die unglaubliche Kälte. Und der Wind. Ein Sturm, könnte man sagen, der unablässlich pfiff und heulte. Und es hörte nie auf zu schneien. Und dann sah er sie kommen, durch den Schnee. Taumelnd und halb tot vor Kälte, mit einer viel zu dünnen Jacke und offenen Haaren, klatschnass vom Schnee, der auf ihrem Gesicht schmolz und in den Jackenkragen rann. Sie stolperte und taumelte und schleppte sich durch den hohen Schnee voran mit einer Verbissenheit, wie sie nur die Verzweiflung hervorbringen konnte. Von seinem erhöhten Standpunkt aus konnte er die Spur erkennen, die sie im Schnee zurückgelassen hatte und die sich am Horizont verlor. Vor ihr erstreckte sich eine endlose Ebene, ein Meer aus Schnee und Eis. Es gab keine Hoffnung, dass sie es schaffen würde, irgendwo hin zu gelangen, wo sie in Sicherheit war. Just in dem Augenblick, als ihm dieser Gedanke durch den Kopf ging, brach die Frau im Schnee zusammen. Wie ein Sack kippte sie einfach nach vorne weg und blieb mit dem Gesicht im Schnee liegen, die Arme grotesk verkrümmt.
Ein scharfer, stechender Schmerz durchfuhr ihn im Traum und eine Dringlichkeit entstand in seinem Herzen, die an Panik grenzte. Sie durfte nicht sterben, konnte nicht sterben, sollte nicht sterben. Er musste sie beschützen. Er musste sie aus dem Schneesturm retten und in Sicherheit bringen. Gehetzt blickte er sich um und sah, dass er am Fuße eines Gebirges stand, das die verschneite Ebene auf drei Seiten mit schroffen Gipfeln umgab, die bis in den Himmel zu reichen schienen. Er schwang sich auf sein zotteliges, stämmiges Nordpferd und trieb es mit grimmiger Entschlossenheit an, hinunter auf die Ebene, dort, wo die Frau langsam aber unaufhaltsam unter der Schneedecke verschwand. Er fluchte und stieß seinem Reittier die Hacken in die Seite und wünschte, er könnte fliegen, aber er war viel zu weit entfernt und das Pferd war müde und brach immer wieder in den Schnee ein. Er wusste, er würde es niemals rechtzeitig bis zur Frau schaffen. Sie würde längst im Tode erstarrt sein, wenn er sie erreicht hatte. Der Schmerz in seiner Seele wurde größer und größer, bis er ihn schließlich überwältigte. Er glitt von seinem Reittier und stieß einen Schrei aus, ein Brüllen, so wütend und wild, dass er selber erschrak und sein Pferd scheute und die Augen verdrehte, bis nur noch das Weiße zu sehen war.
Dann passierte etwas Unaussprechliches mit ihm und an dieser Stelle wachte er immer auf. Schweißnass und mit heftig klopfendem Herzen, das in seine Brust hämmerte, als wolle es zerspringen.

Über mich

Ich liebe es, neue Welten zu erschaffen, und hoffe, ihr hab genau so viel Freude daran, meine Bücher zu lesen, wie es mir Freude bereitet hat, sie zu schreiben.

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